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Reisetipps Sachsen-Anhalt (7)

Vom Schulstandort zum Bauhaus-Erbe

Dessau bot dem Bauhaus in den 1920er-Jahren Möglichkeiten, die in Weimar zunehmend fehlten. Die aufstrebende Industriestadt wurde zum Ort für neue Bauweisen, Materialien und Formen des Wohnens. Dabei ging es nicht nur um Architektur. Gestaltung sollte mit Technik und industrieller Produktion verbunden und stärker am Alltag der Menschen ausgerichtet werden. Die Dessauer Jahre gelten deshalb als besonders produktive Phase der Schule.

1932 beschloss der Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP die Schließung des Bauhauses zum 1. Oktober. Ludwig Mies van der Rohe führte die Schule anschließend noch für kurze Zeit als private Einrichtung in Berlin weiter. Dort lösten die Lehrkräfte das Bauhaus im Juli 1933 auf.

Das Erbe blieb jedoch erhalten. Einen wichtigen Schritt markierte 1976 die Wiedereröffnung des restaurierten Bauhausgebäudes als Wissenschaftlich-Kulturelles Zentrum der DDR. Seit 1994 kümmert sich die Stiftung Bauhaus Dessau um Forschung, Sammlung, Erhalt und Vermittlung des Bauhauserbes.

Aktuell: 100 Jahre Bauhaus in Dessau

2025 und 2026 stehen in Dessau im Zeichen des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus in Dessau“. Unter dem Titel „An die Substanz. Bauhaus Dessau 100“ beschäftigt sich die Stiftung in verschiedenen Ausstellungen und Präsentationen mit Materialien, Technik und den Bedingungen, unter denen am Bauhaus gestaltet und gebaut wurde.

2026 ist unter anderem das ehemalige Kaufhaus Zeeck in der Dessauer Innenstadt zusätzlicher Ausstellungsort. Im Bauhausgebäude läuft die Jubiläumsausstellung „Glas | Beton | Metall“ noch bis 2027.

Das Bauhausgebäude – Wahrzeichen der Moderne

Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau

Schon von außen zeigt das Bauhausgebäude, wie radikal neu die Architektur Mitte der 1920er-Jahre gewirkt haben muss. Walter Gropius und sein Büro entwarfen den Komplex 1925/26 als neues Schulgebäude für das nach Dessau gezogene Bauhaus. Unterschiedliche Gebäudeteile nahmen Werkstätten, Unterricht, Verwaltung, Bühne und Wohnräume auf.

Besonders bekannt ist der Werkstattflügel mit seiner großflächigen Glasfassade. Doch erst beim Rundgang wird deutlich, dass sich hinter der markanten Außenansicht ein ganzer Kosmos aus Lernen, Arbeiten und Zusammenleben verbarg. Architektur und Nutzung sollten nicht voneinander getrennt gedacht werden.

Heute wird das Gebäude wieder von der Stiftung Bauhaus Dessau genutzt. Ausstellungen und Führungen eröffnen Bereiche, die über die reine Außenansicht hinausgehen. Seit 1996 gehört das Bauhausgebäude zum UNESCO-Welterbe.

Bauhaus Dessau

Am Abend zeigt sich die berühmte Glasfassade des Bauhausgebäudes noch einmal von einer ganz anderen Seite.

Die Meisterhäuser – wohnen mit dem Bauhaus

Ebertallee 59–71, 06846 Dessau-Roßlau

Nur wenige Gehminuten vom Bauhausgebäude entfernt erzählen die Meisterhäuser eine andere Seite des Bauhauses: Hier wurde nicht unterrichtet, sondern gelebt.

Walter Gropius entwarf 1925/26 ein freistehendes Direktorenhaus und drei Doppelhäuser. Zu den Bewohnern gehörten bekannte Bauhausmeister wie László Moholy-Nagy, Lyonel Feininger, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Die Häuser waren Wohnorte, zugleich aber auch Beispiele dafür, wie modernes Bauen und Wohnen aussehen konnten.

Große Fensterflächen, Terrassen, moderne Haustechnik und eine durchdachte Raumaufteilung gehörten zum Konzept. Teile des Ensembles wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die verlorenen Häuser von Gropius und Moholy-Nagy wurden später bewusst nicht als vermeintliche Originale wiederaufgebaut, sondern in einer zeitgenössischen Interpretation ergänzt.

Auch die Meisterhäuser gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.

Bauhaus Museum Dessau – die Schule hinter der Architektur

Mies-van-der-Rohe-Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Wer nach den historischen Gebäuden genauer verstehen möchte, was am Bauhaus gelehrt, ausprobiert und entwickelt wurde, findet im Bauhaus Museum Dessau die passende Ergänzung. Das Museum wurde 2019 im Zentrum der Stadt eröffnet.

Die Sammlung der Stiftung umfasst inzwischen rund 49.000 Objekte und gehört damit zu den weltweit bedeutendsten Bauhaussammlungen. In der Dauerausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“ werden mehr als 1.000 Exponate gezeigt. Dabei stehen nicht nur bekannte Designobjekte im Mittelpunkt. Schülerarbeiten, Unterrichtsmaterialien, Entwürfe und Prototypen erzählen auch vom Alltag der Schule und von den Experimenten in ihren Werkstätten.

Gerade deshalb ergänzt das Museum die historischen Gebäude sehr gut: Dort sieht man die Architektur, hier werden viele der Ideen und Arbeitsprozesse dahinter verständlicher.

Dessau-Törten – Bauhaus für den Alltag

In Dessau-Törten wird besonders deutlich, dass das Bauhaus nicht nur schöne Formen entwerfen wollte, sondern Antworten auf ganz praktische Wohnfragen suchte.

  • Die Siedlung Dessau-Törten

    Zwischen 1926 und 1928 entstanden nach Planungen des Büros Walter Gropius insgesamt 314 Reihenhäuser. Anlass war der große Bedarf an erschwinglichem Wohnraum. Die Baustelle wurde so organisiert, dass einzelne Arbeitsschritte möglichst rationell aufeinanderfolgten – ein Versuch, Methoden der industriellen Produktion auf den Hausbau zu übertragen.

    Zu den Häusern gehörten vergleichsweise große Nutzgärten. Sie sollten ihren Bewohnern ermöglichen, Obst und Gemüse anzubauen und einen Teil ihrer Versorgung selbst zu übernehmen. Heute ist die Siedlung nicht mehr überall in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Umbauten und veränderte Wohnbedürfnisse haben ihr Erscheinungsbild im Laufe der Jahrzehnte geprägt.

  • Konsumgebäude

    Am Dreieck 1, 06849 Dessau-Roßlau

    Das 1928 nach einem Entwurf von Walter Gropius errichtete Konsumgebäude bildete ein Zentrum der Siedlung. Im Flachbau befand sich ursprünglich eine Verkaufsstelle des Konsumvereins. Heute dient das Gebäude als Besucherzentrum für Dessau-Törten und als Ausgangspunkt für Führungen.

  • Stahlhaus und Haus Fieger

    Nur wenige Schritte entfernt zeigen zwei weitere Gebäude, wie intensiv in Dessau mit neuen Wohnformen experimentiert wurde.

    Das Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick entstand 1926/27 als Versuchsbau mit einer Stahlskelettkonstruktion und dünnen Stahltafeln als Außenhaut. Es blieb in dieser Form ein Einzelstück in der Siedlung.

    Das Haus Fieger von Carl Fieger wurde 1927 errichtet. Auf nur 74 Quadratmetern Wohnfläche ermöglichten Einbauten und eine Schiebetür eine flexible Nutzung der Räume. Das Gebäude ist heute ein Privathaus und kann deshalb nicht regulär von innen besichtigt werden.

  • Die Laubenganghäuser – UNESCO-Welterbe seit 2017

    Unter Hannes Meyer änderte sich der Blick auf den Wohnungsbau. In unmittelbarer Nähe der älteren Reihenhaussiedlung entstanden fünf dreigeschossige Laubenganghäuser, die von Meyer gemeinsam mit der Bauabteilung des Bauhauses entwickelt wurden.

    Hier standen Wirtschaftlichkeit, zweckmäßige Grundrisse und bezahlbare Mietwohnungen im Mittelpunkt. Die Wohnungen werden bis heute bewohnt; eine Musterwohnung lässt sich im Rahmen bestimmter Führungen besichtigen. Seit 2017 gehören die fünf Laubenganghäuser zum UNESCO-Welterbe.

Historisches Arbeitsamt – Architektur aus dem Ablauf heraus gedacht

August-Bebel-Platz 16, 06842 Dessau-Roßlau

Beim Historischen Arbeitsamt lässt sich besonders gut nachvollziehen, wie eng Funktion und Architektur miteinander verbunden wurden. Walter Gropius und sein Büro planten das Gebäude 1928/29 für die damalige Arbeitsvermittlung.

Der Grundriss folgte den Abläufen innerhalb des Amtes: Besucher wurden je nach Anliegen durch unterschiedliche Bereiche geleitet, Verwaltung und Arbeitsvermittlung waren räumlich organisiert und Tageslicht fiel über Oberlichter in den halbkreisförmigen Gebäudeteil.

Das Gebäude wurde bis April 2025 von der Stadtverwaltung genutzt. Die Bundesagentur für Arbeit lässt es derzeit für eine neue Nutzung als Begegnungs-, Fortbildungs- und Veranstaltungsort umbauen. Die Innenräume sind momentan nicht regulär zugänglich; eine teilweise Öffnung ist ab 2027 vorgesehen.
Stand: September 2026.

Kornhaus – Bauhausarchitektur an der Elbe

Kornhausstraße 146, 06846 Dessau-Roßlau

Das Kornhaus führt das Bauhaus hinaus aus dem Stadtzentrum und bis an die Elbe. Carl Fieger entwarf das Gebäude 1929/30 als Ausflugsgaststätte am Elbdeich. Seine geschwungene Form und die Lage mit Blick auf die Flusslandschaft geben ihm einen ganz anderen Charakter als den strengen Schul- und Wohnbauten.

Der Name erinnert an einen Getreidespeicher, der früher an dieser Stelle stand. Das heutige Kornhaus wird wieder gastronomisch genutzt und verbindet damit Architekturgeschichte und Ausflugsziel auf eine Weise, die sich bis heute erleben lässt.

Das Kornhaus Dessau – ein architektonisches Highlight des Neuen Bauens, direkt an der Elbe gelegen.

Was gehört in Dessau zum UNESCO-Welterbe?

Nicht jeder Bauhausbau in Dessau gehört automatisch zum UNESCO-Welterbe. Diese Unterscheidung ist wichtig.

Seit 1996 zählen das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser zur UNESCO-Welterbestätte „Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau“. 2017 wurde die Welterbestätte erweitert. Seitdem gehören auch die fünf Laubenganghäuser in Dessau-Törten dazu.

Die übrigen Bauhausbauten – darunter Siedlung Törten, Konsumgebäude, Stahlhaus, Historisches Arbeitsamt und Kornhaus – sind wichtige Zeugnisse der Dessauer Bauhausgeschichte, aber keine eigenen Bestandteile der UNESCO-Welterbestätte.

Praktische Tipps für deinen Bauhausbesuch

Öffnungszeiten

Bauhausort

März bis Oktober

November bis Februar

Bauhausgebäude

täglich 10–17 Uhr

Di–So 10–17 Uhr

Meisterhäuser

täglich 10–17 Uhr

Di–So 10–17 Uhr

Bauhaus Museum Dessau

Di–So 10–18 Uhr

Di–So 10–17 Uhr

Konsumgebäude Dessau-Törten

täglich 10–15 Uhr

geschlossen

Hinweis: An Feiertagen können die Öffnungszeiten abweichen. Aktuelle Zeiten, Eintrittspreise und Führungen findest du direkt bei der Stiftung Bauhaus Dessau.

Gesamtticket für mehrere Bauhausorte

Wer mehrere Bauhausorte besuchen möchte, muss sich nicht auf einen einzigen schnellen Rundgang reduzieren. Die Stiftung Bauhaus Dessau bietet ein Gesamtticket, das an drei aufeinanderfolgenden Tagen gilt.

Enthalten sind das Bauhaus Museum Dessau, das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und das Konsumgebäude in Dessau-Törten. 2026 ist außerdem der Jubiläumsstandort im ehemaligen Kaufhaus Zeeck eingeschlossen. Das Gesamtticket kostet derzeit 29 Euro, ermäßigt 19 Euro.

Stand: September 2026

WelterbeCard als Alternative

Wer nicht nur das Bauhaus, sondern auch weitere Ziele in der WelterbeRegion besuchen möchte, sollte vor dem Ticketkauf auch einen Blick auf die WelterbeCard werfen. Sie beinhaltet derzeit unter anderem den Eintritt in Bauhausgebäude, Meisterhäuser, Bauhaus Museum Dessau und das Besucherzentrum in Dessau-Törten. Die Jubiläumsausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck ist dagegen nicht Bestandteil der Card.

Mit der Bauhauslinie durch Dessau

Die Bauhausorte liegen nicht alle dicht beieinander. Praktisch ist deshalb die Buslinie 10, die mehrere wichtige Stationen miteinander verbindet. Zu den angefahrenen Zielen gehören unter anderem Bauhausgebäude, Meisterhäuser, Historisches Arbeitsamt, Dessau-Törten und Kornhaus.

Bauhausgebäude und Meisterhäuser lassen sich dagegen gut miteinander verbinden, da sie nur wenige Gehminuten voneinander entfernt liegen.

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