Praktische Tipps auf einen Blick
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober
Einlass: Mittwoch–Freitag 14–18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10–18 Uhr
Ferien in Sachsen-Anhalt: Mittwoch–Sonntag 10–18 Uhr
Ruhetage: Montag und Dienstag, außer an Feiertagen
Parkschließung: 20 Uhr
Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Kinder und Jugendliche von 6 bis 15 Jahren 1,50 Euro, jüngere Kinder frei. Mit der WelterbeCard ist der Eintritt in den Irrgarten inklusive. Bei Veranstaltungen können andere Eintrittspreise gelten.
Parken: PKW- und Busparkplätze stehen am Gutspark zur Verfügung. Der Parkplatz ist gebührenpflichtig.
Mit Hund: Hunde dürfen mit in den Gutspark, müssen aber an kurzer Leine geführt werden. Von Rasen-, Pflanz-, Wasser- und Spielplatzflächen sind sie fernzuhalten.
Verpflegung: Direkt am Park gibt es derzeit kein gastronomisches Angebot. Wer länger bleiben möchte, kann sich etwas für ein Picknick mitbringen. Dafür sind ausgewiesene Flächen vorhanden.
Sich im Irrgarten Altjeßnitz verlaufen
Das Ziel sieht eigentlich ganz einfach aus: In der Mitte des Irrgartens wartet eine Plattform. Dorthin führen allerdings deutlich mehr Wege, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Der Irrgarten ist rund 2.600 Quadratmeter groß, die Hainbuchenhecken sind heute etwa zwei Meter hoch. Laut einem Bericht der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gibt es rund 200 Möglichkeiten, zum Mittelpunkt zu gelangen. Selbst der kürzeste Weg dorthin misst etwa 400 Meter. Sackgassen gibt es nicht – wer falsch abbiegt, merkt deshalb nicht unbedingt sofort, dass er einen Umweg genommen hat.
Am Eingang steht die Statue der römischen Göttin Ceres. Wer schließlich die Plattform erreicht, kann den Irrgarten von oben betrachten und vielleicht schon einmal nach dem Rückweg Ausschau halten.
Gerade mit Kindern ist der Irrgarten ein schönes Ausflugsziel, weil es hier einmal nicht nur darum geht, etwas anzuschauen. Man kann ausprobieren, suchen, wieder umdrehen – und im Zweifelsfall eben noch eine Runde drehen.
Irrgarten im Gutspark Altjeßnitz
Von oben wirkt der Irrgarten Altjeßnitz fast überschaubar – zwischen den hohen Hainbuchenhecken sieht das später ganz anders aus.
© Gartenträume Sachsen-Anhalt e. V., Fotograf Sven Runkel | CC BY-SA 3.0 DE
Rund um den Irrgarten: der Gutspark Altjeßnitz
Auch nach dem Irrgarten lohnt sich ein Rundgang durch den Park. Die ursprünglich barock angelegte Anlage wurde später teilweise landschaftlich umgestaltet. Heute prägen geschwungene Wege, Wiesen und alter Baumbestand den Gutspark.
Zu den auffälligen Gehölzen gehören zwei große Blutbuchen, eine morgenländische Platane sowie ein etwa 40 Meter hoher Tulpenbaum. Daneben wachsen unter anderem alte Esskastanien, Eichen, Buchen, Ahorne und Linden.
Etwas versteckt zwischen den Bäumen steht die kleine Feldsteinkirche von Altjeßnitz. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und beherbergt mittelalterliche Wandmalereien sowie einen spätgotischen Schnitzaltar. Damit gehört sie unbedingt mit zu einem Rundgang durch den Gutspark.
Für Familien gibt es außerdem einen Spielplatz. Picknicken ist auf der dafür vorgesehenen Grünfläche vor dem Spielplatz erlaubt.
Veranstaltungen im Gutspark Altjeßnitz
Der Gutspark ist regelmäßig auch Schauplatz von Märkten, Festen und weiteren Veranstaltungen. Viele dieser Termine werden vom Förderverein Irrgarten Altjeßnitz e. V. organisiert und bringen zusätzlich Leben in die historische Parkanlage.
Zu den bekannten Veranstaltungen gehören unter anderem der Bauernmarkt, das Parkfest und der Weihnachtsmarkt. Je nach Jahr kommen weitere Termine hinzu.
Ein Gutspark, um den sich viele kümmern
Dass der Gutspark und der historische Irrgarten heute besucht werden können, ist auch dem Engagement vor Ort zu verdanken.
Betreiberin der öffentlichen Anlage ist die Stadt Raguhn-Jeßnitz. Seit Juni 2001 unterstützt außerdem der gemeinnützige Förderverein Irrgarten Altjeßnitz e. V. den Erhalt und die Entwicklung des Parks. Seine Mitglieder helfen bei Pflegearbeiten, unterstützen Restaurierungen und Pflanzungen und organisieren kulturelle Veranstaltungen.
Eine besondere Zusammenarbeit besteht mit der Sekundarschule Raguhn. Nach Angaben des Vereins kommen jährlich vier Schulklassen in den Gutspark und helfen bei dessen Pflege. In den vergangenen Jahren wurden mit Fördermitteln, Spenden und Veranstaltungserlösen außerdem verschiedene Projekte umgesetzt – von historischen Gehölzen und Blumenschalen bis zur Restaurierung von Parkelementen.
Das ist für mich genau einer dieser Orte, an denen sich zeigt, wie viel ehrenamtliches Engagement hinter dem Erhalt kleinerer Sehenswürdigkeiten steckt.
Von der barocken Gartenanlage zum heutigen Gutspark
© IMG Sachsen-Anhalt/Falko Matte | CC BY-SA 3.0 DE
Die Geschichte von Altjeßnitz reicht deutlich weiter zurück als der Irrgarten. Bereits aus dem 12. Jahrhundert stammen die Feldsteinkirche sowie ältere Teile der Parklandschaft.
1694 erwarb Hans Adam Freiherr von Ende das Rittergut Altjeßnitz. Fünf Jahre später begann der Bau eines neuen Schlosses mit einer Parkanlage im Stil des späten Barock. Der Entwurf, auf dem der Irrgarten basiert, geht auf den Pfarrer und Gartentheoretiker Johann Peschel zurück und war bereits in der späten Renaissance entstanden. Erst deutlich später wurde die Idee in Altjeßnitz umgesetzt.
Der Irrgarten entstand um die Mitte des 18. Jahrhunderts zunächst auf quadratischem Grundriss. Später kamen weitere Heckenreihen hinzu, wodurch er seine heutige rechteckige Form erhielt. Zwischen 1845 und 1894 wurde außerdem der Eingang von der Süd- auf die Westseite verlegt.
Vom einstigen Gutshof sind heute unter anderem Wirtschaftsgebäude und der Torturm erhalten. Das Schloss selbst wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1975 abgerissen.
Der Irrgarten wurde selbst zum Sanierungsfall
Im Laufe der Zeit hatten auch die Hainbuchenhecken gelitten. Bei der Sanierung wurden beschädigte Bereiche wiederhergestellt und Pflanzen entfernt, die sich zwischen den Hecken ausgebreitet hatten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz stellte für Arbeiten am Irrgarten und im Park rund 90.000 Euro bereit.
Während der Arbeiten entstand in Altjeßnitz übrigens vorübergehend ein ganz anderer Irrgarten: Helfer aus dem Ort und der Region stapelten 16.776 Getränkekästen zu einem riesigen Labyrinth. Damit wurde der damals bestehende Rekord eines Getränkekisten-Irrgartens aus Heppenheim übertroffen.
Den Fakt würde ich hier tatsächlich drinlassen. Er ist ungewöhnlich, aber nicht beliebig – er gehört direkt zur Sanierung und zeigt gleichzeitig, wie viele Menschen sich damals beteiligt haben.
Mein Tipp für Altjeßnitz
Für den Irrgarten allein muss man keinen ganzen Tag einplanen. Zusammen mit einem Spaziergang durch den Gutspark, der Feldsteinkirche und einer Pause im Grünen wird daraus aber ein schöner kleiner Ausflug.
Und wer Altjeßnitz einmal zu einem der größeren Veranstaltungstermine besucht, erlebt den Park noch einmal ganz anders.